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Raritäten aus Meisterhand in der Villa Eugenia

 

Das Duo „in animando“ begeisterte mit einer erlesenen Auswahl von Kompositionen in der Hechinger Villa Eugenia.

Mit „seltenen Schönheiten aus Meisterhand“ begab sich das Duo „in animando“ mit Anita Gwerder (Cello) und Elisabeth Schreyer-Puls (Klavier) in der Villa Eugenia auf eine exquisite musikalische Reise. In der sorgfältig zusammengestellten Programmfolge versammelten sich kaum gespielte Kammermusikwerke unterschiedlicher, bekannter und weniger bekannter Tonschöpfer, deren musikalische Sprache durch das jeweilige Heimatland – Ungarn, Frankreich, Deutschland und Russland – gekennzeichnet ist.

Die schöne Mischung aus kantabler und agiler Präsentation machte den Reiz des Vortrags der beiden versierten Künstlerinnen aus. Den teilweise recht hohen Schwierigkeitsgrad mancher Stücke merkte man dem Spiel von Gwerder und Schreyer-Puls nicht an: Auf leichte Art präsentierten sie ihre farbenreichen, kammermusikalischen Leckerbissen in individueller Lesart, geschmeidiger, dynamischer Phrasierung, technischer Perfektion und fein abgestimmtem Zusammenspiel. Eine exzellente Darstellung der kurzweiligen Kontraste in Rhythmus und Dynamik erfuhr die eröffnende, von warmer, eingängiger Harmonik geprägte „Sonatina“ des ungarischen Komponisten Zoltán Kodály (1882-1967).

Aus der Feder von Nadia Boulanger (1887-1979), stammen die von der Französin lose zusammengefügten „Trois pièces“, zauberhafte Miniaturen voller Poesie und musikalischer Intuition. Welch unvergleichliche Art des Erarbeitens feinster klanglicher Nuancen! Stilistisch dem Impressionismus nahestehend spielte das Cello im ersten Stück, einem Moderato über einer zarten und vagen Klavierbegleitung eine ebenso schlichte wie ergreifende Mollmelodie. Ihm folgte, als Beleg für Boulangers vielgepriesene kontrapunktische Künste ein Doppelkanon. Dieser wiederum wurde im letzten Stück durch ein schnelles, kraftvolles Scherzo, ein rasantes Klavierthema über Pizzicato-Akkorden abgelöst.

Aufhorchen ließ das „Adagio – con moto“ aus der „Sonate“ op 70 des zeitgenössischen Komponisten Roland Leistner-Mayer: In souveräner, äußerst virtuoser Interpretation und mit Leidenschaftlichkeit verbanden die beiden bestens harmonierenden Musikerinnen Passagen von irrlichternd flirrenden Klangfäden, vibrierenden Trillern und rasanten, jäh hinab stürzenden Tonkaskaden mit meditativen, ruhig fließenden Momenten von verhaltener Stille in allerzartestem Pianissimo zu einen großen musikalisch überzeugenden Bogen.

Kraftvoll, zupackend und süffig präsentierten Gwerder und Schreyer-Puls danach Sergei Rachmaninows (1873-1943) „g-Moll-Sonate“ op. 19. Wer konnte sich schon der Wirkung solch üppig rauschender Klangwogen und einer derart elegant-verinnerlichten, differenzierten Darbietung durch diese beseelten, sympathischen Künstlerinnen entziehen? Mit Verve, pianistischer Brillianz, Klangspielen, Arabesken und impressionistischen Farbflächen verlieh Elisabeth Schreyer-Puls jedem Satz seine eigene, schillernde Aura. Reichlich illustriert von einer faszinierend umfangreichen Palette an Farben und Ausdruckmitteln des Violoncello, dem Anita Gwerder einen satt-sonoren, leidenschaftlich vollblütigen und fast vibratolosen Ton entlockte.

Für die zahlreichen Konzertbesucher, welche die Musikerinnen erst nach zwei Zugaben von der Bühne ließen, wart es ein einzigartiger Genuss. Gastgeber des gelungenen Konzerts war der Förderverein Villa Eugenia. 

 

Antonia Lezerkoss, Südwest Presse, 07.11.2018

© Foto: Antonia Lezerkoss

 

Anregende Kontraste zeichnen das Kulturprogramm des Augustinum [Schweinfurt] schon immer aus ... Diesmal hatte Kulturreferentin Waltraud Haas mit der Cellistin Anita Gwerder und der Pianistin Elisabeth Schreyer-Puls zwei hervorragende Künstlerinnen eingeladen: Beide verbinden technische Souveränität mit äußerster Empfindsamkeit und Gestaltungskraft. „in duo animando“ nennen sie ihre Formation – belebend und beseelt ist auch ihr Spiel.

[... Brittens] Cello-Sonate aus dem Jahr 1961 im „unschuldigen“ C-Dur ist in Wirklichkeit ein Parforce-Ritt der Gefühle und Stimmungen, eine enorme Herausforderung für die Ausführenden. Doch beide Künstlerinnen meistern sie glänzend. Anita Gwerder hat mit Elisabeth Schreyer-Puls eine ebenbürtige Klavierpartnerin an ihrer Seite. Beide Instrumente verschmelzen bei einem transparenten Klangbild zu einer Einheit, beiden Musikerinnen gelingt eine vitale, expressive und
höchst eindrucksvolle Interpretation.

Manfred Herker, Schweinfurter Tagblatt, September 2015

 

Cello und Klavier kamen am Sonntag perfekt ausbalanciert beim Zuhörer an. Das Klangbild blieb stets transparent und ermöglichte so, dass viele Details und vor allem motivische Dialoge zwischen den beiden Instrumenten aufleuchten konnten. Offenbar haben sich hier zwei Musikerinnen gefunden, die ihre Werke mit hohem Anspruch erarbeiten und dabei im Ernstfall der Aufführung sich so viel Raum für Interaktion bewahren, dass die Interpretationen lebendig und frisch wie aus dem Moment heraus entwickelt erscheinen...

...Der interpretatorische Höhepunkt des Abends war die Darbietung der Sonate g-moll für Violoncello und Klavier (op. 5/2) von Beethoven. Mit Verve und pianistischer Brillianz polierte Elisabeth Schreyer-Puls das quirlige Figurenwerk des Klavierparts auf Hochglanz. Den Cellopart gestaltete Anita Gwerder mit sparsam dosiertem Vibrato in feinsten Abstufungen an Dynamik und Agogik… ein musikalischer Hoch-
genuss.

Matthias Weber, Badische Zeitung, Juli 2012

 

Sympathisch und als anschauliche Hörhilfe gestaltete sich die Moderation des Duos, in der neben Informationen zur Stilistik vor allem kleine Klangdemonstrationen zum bewussten Hören und besseren Verständnis beitrugen…

Willi Vogl, Die Oberbadische, Juli 2012

 

Dass Animando so viel wie "belebend" oder "beseelt" bedeutet, wird mit einem Blick auf die Zuschauer klar. Das Publikum (lauscht) den Klängen mit Faszination und Ergriffenheit.

 

Luisa Koch, Badische Zeitung, Oktober 2012

 

Wie wundervoll sich Gwerders schwelgerischer Strich mit dem tänzerischen Spielgestus ihrer Partnerin fügte, hörte man auch bei Bohuslav Martinús „Variationen über ein slowakisches Thema für Violoncello und Klavier“… Ähnlich dicht auch die Interpretation zu Zoltán Kodalys Sonatina für Violoncello und Klavier (um1960), tiefdunklen Cellogesang mit subtiler Tastenkunst zu einprägsamen Farben und Texturen verschmelzend.

 

Reinhold Gries, Offenbach-Post, März 2011